Herstellungsverfahren

Zwei Verfahren. Keine Abkürzungen.

Wir nutzen zwei etablierte Methoden, die beide ohne Wasserzugabe, ohne Lösungsmittel und ohne Emulgatoren auskommen: LAB-Fermentation nach koreanischer Natural-Farming-Tradition und Schwerkraft-Drip nach britischer Garten-Praxis. Beide sind über Jahrzehnte in der Praxis erprobt und lassen sich im Kleinen reproduzieren.

1 · LAB-Fermentation, Pflanze trifft Rohrzucker

Brennnessel, Urtica dioica, Hauptsubstrat für LAB-Fermentation
Urtica dioica
geschnitten, luftdicht vergoren

LAB steht für Lactic Acid Bacteria, Milchsäurebakterien, dieselben, die Sauerkraut, Joghurt und Kimchi konservieren. Brennnessel-Blätter werden mit Rohrzucker im Verhältnis 3:1 angesetzt und luftdicht mit Gärventil vergoren. Nach etwa vierzehn Tagen liegt der pH-Wert unter 4, die Paste ist stabil, konzentriert und frei von Fäulnisbakterien.

Ursprung
Korean Natural Farming (Dr. Cho Han-Kyu), adaptiert von CTAHR Hawaii SA-7
Verhältnis
3 Teile Pflanze, 1 Teil Rohrzucker (m/m)
Temperatur
18–24 °C, dunkel
Dauer
10–14 Tage
Endprodukt
Paste, pH < 4, mindestens 12 Monate haltbar
Anwendung
1:50 bis 1:100 verdünnen, gießen oder spritzen

Warum Zucker und nicht Salz? Salz-Fermentation stoppt Enzymaktivität zu früh und bindet Kalium. Zucker füttert die Milchsäurebakterien, lässt die Pflanze aber ihre Phytohormone und Aminosäuren bewahren. Das Endprodukt ist keine Jauche, es riecht nicht faulig, sondern sauer-fruchtig wie ein reifes Ferment.

2 · Schwerkraft-Drip, Beinwell ohne Zutat

Britische Gärtner nutzen dieses Verfahren seit den 1970er-Jahren. Beinwell-Blätter werden in einen Behälter mit gelochtem Boden geschichtet, oben drauf ein Gewicht. Über Wochen presst die Schwerkraft den Eigensaft der Pflanze durch den Lochboden in einen Auffangbehälter darunter.

Nur Schwerkraft, nur Pflanze. Kein Wasser, kein Zucker, kein Salz, kein Lösungsmittel. Garden Organic UK · Ryton Gardens Verfahrensblatt

Ursprung
Garden Organic UK, Bocking-14-Züchtung durch Lawrence D. Hills
Zutaten
Nur Beinwell. Kein Wasser, kein Zucker, kein Salz
Gefäß
20-Liter-Eimer mit Lochboden auf Auffangeimer
Dauer
10–12 Wochen
Ausbeute
rund ein Liter Konzentrat pro 10 kg Frischmasse
Anwendung
1:15 bis 1:20 verdünnen, gießen

Der Saft ist dickflüssig, fast schwarz, riecht erdig-moderat. Sein Hauptnährstoff ist Kalium, typisch 5–7 % in der Trockensubstanz der Bocking-14-Sorte, nachgewiesen durch Feldversuche in Ryton Gardens. Besonders geeignet für Fruchtpflanzen in Blüte- und Fruchtphase.

Zehn bis zwölf Wochen, in denen nichts zu tun ist außer zusehen. Wer die Geduld nicht hat, greift zum Flüssigdünger aus dem Baumarkt.

Was wir bewusst weglassen

  • Klassische Jauche. Offen vergorene Brennnessel-Jauche mit 10-facher Wasserverdünnung, nicht versandfähig, geruchsintensiv, mikrobiologisch instabil. Für den Eigenbedarf im Garten fein, für einen Produktbetrieb ungeeignet.
  • Alkoholische Auszüge. Schnell, aber extrahieren ein anderes Wirkstoff-Profil und erfordern Kennzeichnung als gefährliches Gemisch.
  • Heißwasser-Extrakte. Zerstören hitzeempfindliche Komponenten.
  • Konservierungsmittel. Nicht nötig, wenn pH < 4 oder Reinstoff-Konzentrat.

Dokumentation: was wir für jede Produktion festhalten

Jede Produktion bekommt eine Belegnummer nach Schema JJMM·XX·YY, vergeben am Starttag, nicht am Abfüll-Tag. Wir dokumentieren pH-Verlauf (Tag 0, 3, 7, 14 und Ende), Geruch, Ausbeute und Stabilitätsverhalten nach 4, 8 und 12 Wochen. Beschwerden lassen sich so auf die einzelne Produktion zurückverfolgen; gute Produktionen reproduzieren.

Brennnessel-Paste
2605·03·BPMai 2026 · BP = Brennnessel-Paste
Wermut-Trockenkraut
2607·02·WKJuli 2026 · WK = Wermut-Kraut
Beinwell-Drip
2709·01·BDSept. 2027 · BD = Beinwell-Drip

Das Schema ist chronologisch sortierbar, kurz und enthält keine personenbezogenen Daten.

Rechtsrahmen

Unsere Produkte sind Pflanzenstärkungsmittel nach § 45 PflSchG, meldepflichtig beim BVL. Kaliseife im Kräuter-Schutz-Set fällt separat unter die EU-Pflanzenschutzmittel-Zulassung (Wirkstoff fatty acid potassium salts). Keine Heilwirkung, keine pauschale Wirkung gegen Pilze oder Bakterien.

Quellen

  • Cho, Han-Kyu: Natural Farming: Agriculture Materials, Cho Global Natural Farming, 2010.
  • CTAHR Hawaii: Farmer-Friendly Natural Farming Inputs Guide SA-7, 2013.
  • Hills, Lawrence D.: Comfrey, Past, Present and Future, Faber, 1976.
  • Garden Organic (Henry Doubleday Research Association): Info Sheet Comfrey as a Fertiliser, Ryton Gardens, fortlaufend aktualisiert.