Werdorf · Lahn-Dill-Kreis
Ein Randstreifen im Mittelgebirge.
Der Betrieb sitzt in Werdorf, einem Stadtteil von Aßlar im Lahn-Dill-Kreis. Gemildertes Mittelgebirgsklima, rund 800 mm Niederschlag im Jahr, Vegetationsperiode April bis Oktober. Keine Gewerbegebiet-Halle, keine Intensivlandwirtschaft, kein Fernlager.
- Koordinaten
- 50,6897° N · 8,2589° O
- Höhenlage
- rund 225 m ü. NHN
- Boden
- lehmiger Schluff auf Buntsandstein-Untergrund, Lahn-Aue
- Wasser
- Stadtwerke Herborn, Härte 7 °dH (weich bis mittelhart)
- Trinkwasserschutzzone
- Zone III Aartalsperre, keine Pflanzenschutzmittel, keine Gülle
Die Fläche
Tiefwurzler, Stickstoff-Sammler
Für den Beinwell-Anbau steht uns ein Randstreifen auf dem Acker meines Bruders zur Verfügung, voraussichtlich 20 bis 50 Quadratmeter feuchter Rand zu Hecke und Gewässer, nicht im produktiven Ackerland. Dort passen 20 Bocking-14-Setzlinge im Frühjahr , mit Potenzial auf 80 bis 100 Pflanzen nach Wurzelteilung im Herbst.
Beinwell Bocking 14 (Symphytum × uplandicum, Russischer Comfrey) ist eine sterile Hybrid-Züchtung aus dem Henry-Doubleday-Research-Institut in Coventry, entwickelt in den 1950er-Jahren durch Lawrence D. Hills. Steril heißt: keine Versamung, keine invasive Ausbreitung. Vermehrt wird nur über Wurzelstecklinge. Die Sorte hat den höchsten Kalium-Gehalt unter den Symphytum-Varianten und zugleich den niedrigsten Gehalt an Pyrrolizidinalkaloiden, weshalb sie für Garten- und Düngezwecke weltweit Standard ist, für den Verzehr dennoch nicht zugelassen.
Die Brennnessel-Ernte
Brennnessel (Urtica dioica) wächst in der Umgebung reichlich. Auf Privatgrund ernten wir mit Absprache der Eigentümer, meist Landwirte und Privatwaldbesitzer. Für öffentliche Standorte (Waldrand, Bachufer) haben wir die Sammelgenehmigung nach § 39 Abs. 4 Bundesnaturschutzgesetz bei der unteren Naturschutzbehörde des Lahn-Dill-Kreises beantragt. Die Handstrauß-Regelung deckt nur privaten Bedarf; für kommerzielle Ernte braucht es die formale Erlaubnis.
Nie alles an einem Standort, nie unter 100 m² dichter Bestandsgröße, nie in der Samenzeit. Hausregel · übernommen aus dem Wildsammler-Leitfaden
Die Gebühr liegt nach § 2 Abs. 1 HAGBNatSchG zwischen 60 und 2 000 €, je nach Umfang. Bei fehlender Entscheidung binnen eines Monats gilt sie als erteilt (Genehmigungsfiktion). Geerntet wird an drei bis fünf Standorten im Umkreis von zehn Kilometern um Werdorf, vor der Blüte im Mai, eventuell ein zweiter Schnitt im Juli.
Die Nachbarschaft
Was auf dem Randstreifen sonst noch wächst oder angelegt ist, Bodenaufbau, Schädlings-Puffer, Bienenweide:
Diese drei sind keine Hauptrohstoffe, aber Teil der Landschaft und werden bei Bedarf verarbeitet. Mehr unter Pflanzen, dort stehen die Dossiers mit Anbau, Ernte und Verarbeitungsmethoden.
Die Sprache der Gegend
Werdorf liegt im Regierungsbezirk Gießen und damit im Verbreitungsgebiet des Manischen, einer Geheimsprache jenischer Herkunft. Das Wort, mit dem die Mehrheit diese Menschen meinte, steht in Dorfgasthäusern der Gegend bis heute auf der Speisekarte unmittelbar vor Schnitzel. Das Wort, das sie selbst sprachen, steht seit dem 4. April 2025 als Rotwelsch-Dialekt auf der UNESCO-Liste des Immateriellen Kulturerbes.
Aus der Gießener Gummiinsel wurden am 16. März 1943 fünfzehn Menschen deportiert. Die Sprache überlebt in einzelnen Wörtern der mittelhessischen Umgangssprache und, über die Frankfurter Hauptwache der 1980er, in Teilen des deutschen Rap. Wer weiterlesen will: Hans-Günter Lerch, Tschü Lowi, EuroLingual 2005, rund 800 Stichwörter.
Was das Projekt nicht ist
- Keine GmbH mit Investorenrunde. Einzelunternehmen, kein Fremdkapital.
- Keine Großserie. Jahr eins: 100–200 Sets. Jahr zwei: rund 1 500 Einheiten. Ziel ist Deckung der Selbstkosten plus faire Zeit.
- Keine Auftragsfertigung, kein White-Label. Jede Charge aus eigener Hand.
- Keine Versprechen, die sich in zwei Jahren nicht halten lassen. Beinwell-Ernte erst , das Konzentrat entsprechend.
Warum so klein
Weil sich Ehrlichkeit nicht beliebig skalieren lässt. Eine Einzelperson kann 50 m² Beet pflegen, 100 kg Brennnessel im Sommer verarbeiten, tausend Gläser im Jahr abfüllen und jede Charge selbst dokumentieren. Ab einer bestimmten Menge wird etwas davon aufgegeben: entweder die Handarbeit, die Dokumentation oder die regionale Herkunft. Keines dieser drei Dinge möchten wir aufgeben, also bleibt die Größe in diesem Rahmen.
Konkrete Flächengröße wird nach Bruder-Acker-Gespräch festgelegt, die Sammelgenehmigung der unteren Naturschutzbehörde ist beantragt.